February 26, 2010

POWER WATCH: LEGAL, ILLEGAL, SCHEISSEGAL

Außnahmsweise werde ich diesen Post auf Deutsch verfassen. Warum? Weil mir gerade danach ist, und ich außerdem manchmal das Gefühl habe, daß mir meine eigene Sprache außerhalb des sehr eingeschrängten Raumes der täglichen, privaten Kommunikation mit Familie und Freunden doch hin und wieder entgleitet. Englisch ist in seiner Einfachheit, seiner Doppeldeutigkeit der deutschen Sprache zum größten Teil überlegen, gerade weil Deutsch in seiner spezifischen Regelauslegung wenig bis keine sprachliche Lyrik zuläßt.

Es gibt da natürlich Ausnahmen, wie jeder Leser von Moers' Romanen wie Die 13.5 Welten des Kapitän Blaubär bestätigen kann, so voll and Sprachreichtum, doppelbödigem Witz und farbiger Metaphern und Klangbilder wie sie kein englischer Autor, mit Ausnahme vielleicht vom Großmeisters himself, Lewis Carroll, je hergestellt hat. Und so gut wie Moers bin ich nicht. Muß ich auch nicht sein, denn in der englischen Sprache habe ich meine literarische Heimat gefunden.

Aber drum geht es hier gar nicht. Es geht um diesen Artikel hier.

Mehrere Hedgefonds-Manager spekulieren darauf, dass der Euro durch die Griechenlandkrise noch schwächer wird. Das berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf ein geheimes Treffen von Branchengrößen. Damit könnten die Finanzbosse die Euro-Länder in große Bedrängnis bringen. Großinvestoren wollen die Schwäche des Euro für sich ausnutzen. Mehrere gewichtige Hedgefonds hätten Wetten darauf abgeschlossen, dass der Kurs der Gemeinschaftswährung weiter falle, berichtete das "Wall Street Journal" am Freitag. Anfang des Monats hätten sich bekannte Namen der Szene bei einem exklusiven Dinner in einem Privathaus in Manhattan getroffen, um bei Filet Mignon und mit Zitrone gebratenem Hühnchen darüber zu sprechen, wie sie von der Schuldenkrise in der Eurozone profitieren könnten. Einige der Hedgefonds-Manager rechneten damit, dass der Euro vom Wert her mit dem US-Dollar gleichziehe, schrieb die Zeitung.
Schon komisch, daß auf einmal alle Medien über die Euro-Krise berichten, schlimm!

Schlimm! würde die BILD titeln. Europa macht schlapp!

Komisch deshalb, weil die derzeitige Situation in vollem bewußtsein herbeigeführt wurde, und die ersten Anzeichen schon von allen, die es nur wissen wollten (und das war so ziemlich niemand, da waren noch alle mit dem letzten Katastrophenszenario beschäftigt, oh mein Gott, die Hypo geht unter, die AIG, das Morgenland steht vor dem Aus, gebt uns all Euer Geld!) schon im Dezember 2008 gesehn werden konnten, als die ersten großen Hedge Fonds und Investment Banken eine immer größere Menge Derivate gegen Griechenland, Spanien, italien und Irland ins Spiel brachten.

Mit anderen Worten, jemand da draußen wußte etwas, und ach, wie sollte es anders sein, die Spur führt wieder einmal zu niemand geringerem als zu unseren Freunden an der Wall Street, vor allem Goldman & Sachs.

Vor über einem Jahr erklärte ich die Strategie einer Freundin folgendermaßen. Wenn der Steuerzahler für Dich aufkommt, wenn Du von den Notenbanken Kredite in Billionenhöhe aufnehmen kannst, ohn (1) Zinsen zahlen zu müssen und (2) ohne dass diese Kredite sich bilanztechnisch niederschlagen, wie kannst Du am schnellsten Geld machen?

Ganz einfach. Du weißt, daß die enorme stattliche Schuldenaufnahme, die dein Finanzcrash verursacht hat, die einzelnen Staaten tief in die Scheiße reiten wird, und dise Staaten dann keine andere Wahl haben, als Staatsanleihen dieses Geld per Kredit erst einmal aufzunehmen. Diese Staatsanleihen kaufst du mit dem Geld, welches Du ja umsonst vom Staat und den Notenbanken bekommen hast.

Das ist Schritt Nummer Eins.

Dann kaufst Du dir mit einigen Millionen (was ist das denn heute schon?) die entsprechenden Kongreß- oder Parlamentsmitglieder der einzelnen Länder. Ist nicht weiter schwer, im Zweifelsfall machste den Guido und gibst den Leuten Vortragsgebühren en masse. Das kauft Dir dann das geneigte Ohr der Volksverrä... uh, Volksvertreter, die dann freundlicherweise keine Regularien erlassen, die Dir Dein Geschäft versauen könnten (und, meine Lieben, hat's irgendwo auf der Welt schon neue Finanzregeln gegeben? Ne? Siehste)

Das ist Schritt Nummer Zwei.

Da ohne Finanzregularien auch keine Aufsicht für die Ratingsagenturen besteht, und die Ratingsagenturen Teil des weltweiten Betrugs... uh, Finanznetzwerks sind, läßt Du mal hier oder da einige Infos fließen, sowohl and die Agenturen als auch an die geneigte Presse. In Deutschland war das vor allem DIE WELT, die vor einem Jahr immer wieder damit aufmachte, wie schlimm das doch alles in griechenland sei, und das Land wird bald untergehen, und dann der Rest von Europa.

Folge? Die Staatsanleihen können von den Staaten nur noch mit schlechterem Rating verkauft weren, will heißen, höheren Zinsen, will heißen, höherer Gewinn für Dich als Investmentbank.  Die Spirale geht weiter nach unten.

Das ist Schritt Nummer Drei.

Aber das reicht noch nicht. Denn Du willst ja keine 6 oder 8 Porzent Rendite auf nichts haben, Du willst 30 oder mehr, und zwar nicht langfristig, sondern kurzfristig, denn mit kurzfristigem "Gewinn" steigert sich vor allem eines: Deine Bonus-Zahlungen, und das, meine Damen und Herren, ist das einzige, was zählt. Nach mir die Sinflut, sprach der Herr.  Was also tun? Du machst es öffentlich, während Du gleichzeitig mit dem von den Staaten geliehen Geld Loss-Wetten auf den Euro abschließt, und zwar wiederum in Billionhöhe. Du weißt danz genau, wie beschissen es den Staaten geht, denn Du hast sie ja in diese Lage gebracht. Gut zu wissen, wenn man das schon vorher weißt, eh?

Das ist Schritt Nummer Vier.

Der Euro knallt runter gegen den Dollar, sagen wir mal von 1.51 auf 1.00. Deine Rendite? 50 Prozent. Kann mal jemand mit der Kasse klingeln? Pling! Pling! Pling!

Resultat ist, daß deine Bankkassen kurzfristig mit Geld geflutet werden, was Dir einen schönen Bonus in mehreren hundert Millionen als Vorstandsmitglied sichert. Pling! Pling! Pling! Die Staatsanleihen allerdings sind meistens langfristig gestaltet, was bedeutet, dass die Verluste (und die kommen, oh Baby, und wie die kommen werden) erst Jahre später auf Deinen ohnehin frisierten SAP-Bilanzen auftauchen.

Aber das ist egal, denn zu diesem zeitpunkt bist Du schon in deinem Haus auf der Insel, weit weg von dem Pöbel, der sich dann in den Innenstädten zusammenrottet, da ja deine gekauften, uh, lobbyierten Abgeordnent um die Schulden zu verringern die entsprechenden Sozialgesetze kahlschlagen, im Namen des "freien Markts".

Und wie gesagt, all das war schon im Dezember 2008 für jeden ersichtlich, der es sehen wollte. Nur wollte es keiner sehen.

Legal. Illegal. Scheißegal... wie wir in Deutschland sagen würden.

Meine Freundin mailte mir damals zurück, dass ich doch viel zu schwarzseherisch sei, und sie wolle darüber nicht nachdenken, da kann man ja sowieso nichts dran machen, und Ich würde sie ja nur damit runterziehen.

Ich brauch' wohl nicht zu sagen, daß die entsprechende Dame nicht mehr meine Freundin ist. Ich habe keine Zeit und keine Lust, mich mit Leuten rumzuschlagen, die nicht einmal in der Lage sind, den größten Betrug an der Menschheit in der Menschheitsgeschichte zu sehen, nein, sehen zu wollen.

Wer's nicht sehen will, der kann ja in den Media Markt gehen und sich als Konsumterrorist betätigen. Das ist sowieso die einzige Funktion, die der derzeitige "freie Markt"  dem Individuum noch gelassen hat, als endlose Fritz Lang'sche Konsummaschine, die erst licherloh brennt, dann ausbrennt, dann verbrennt.

Die Natur hat ein Wort dafür.

Krebs.